Bezahlung touristischer Dienstleistungen
Seit November 2008 ist die Seychellische Rupie frei auf dem Devisenmarkt handelbar. Der bisher von der Zentralbank festgelegte Wert liegt bei etwa 17 Rupien für einen Euro. Touristische Dienstleistungen wie Hotels, Restaurants, Taxis, Bootsausflüge und Segelyachten werden in heimischer Währung bezahlt. Lokale Banken und Wechselstuben bieten Rupien zu täglich schwankendem Kurs an. Auch der Rücktausch von Rupien in Euro ist möglich, es muss aber mit einem Wechselverlust gerechnet werden.
Wirtschaftslage
Die Seychellen stehen mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) pro Kopf von etwa 10.700 USD an der Spitze aller afrikanischen Länder.
Die Regierung gründete in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts etwa 30 Staatsunternehmen (sogenannte "Parastatals") und wurde in fast allen Wirtschaftsbereichen zum Konkurrenten der Privatwirtschaft. Seit einigen Jahren zieht sich der Staat wieder als Konkurrent zurück und viele Staatsangestellte wechseln in die Privatwirtschaft. Dennoch ist der Staat vor allem aufgrund der Angestellten in der Staatsverwaltung, der Tunfischfabrik (IOT) und der nationalen Fluggesellschaft Air Seychelles noch immer der größte Arbeitgeber.
Nach der Freigabe der Währung wurden Exporte (Tourismus ist Export) preiswerter, die Kosten für Importe haben sich erhöht. Deshalb werden nach und nach mehr Güter im Land hergestellt, da sie im Ausland wieder konkurrenzfähig verkauft werden können (Copra, Gewürze, Fisch, Tourismus) und weil der Import im Ausland hergestellter güter sich verteuert hat. Beispielsweise nimmt der Import industriell hergestellter Fertigprodukte nimmt ab und Auslandsreisen gehen zurück da die Seychellische Rupie im Ausland nun einen geringeren Wert hat.
Wirtschaftssektoren
Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftssektor (19% des BSP) des Landes, in dem 70% der Deviseneinnahmen erwirtschaftet werden. Mehr als die Hälfte der Bruttoeinkünfte aus dem Tourismus fließen für Nahrungsimporte und andere Einfuhrgüter der Tourismusbranche ins Ausland zurück. Die jährlichen Besucherzahlen wuchsen in den vergangenen Jahren auf etwa 170.000 an. Davon kommen etwa 70% aus Europa. Knapp ein Fünftel von ihnen kommt aus Deutschland.
Der Mangel an flachem, kultivierbarem Land ist neben dem Willen zum Erhalt von ökologisch wichtigen Naturlandschaften ein Hindernis für die Entwicklung von Land- und Forstwirtschaft. Was Naturschutz anbetrifft stehen die Seychellen dennoch weltweit an der Spitze, denn sie haben mehr als die Hälfte ihrer Landfläche zum Naturschutzgebiet erklärt. Sogar auf der Hauptinsel Mahé - auf der 90% der Bevölkerung lebt - stehen über 30 % der Landfläche unter Naturschutz. Der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten kann daher nicht aus eigener Erzeugung gedeckt werden. Reis ist traditionell das Hauptnahrungsmittel obwohl es aufgrund der natürlichen Gegebenheiten nicht angebaut werden kann. Gemüse kann mangels kultivierbaren Bodens auch nur in kleinen Mengen angebaut werden und muss importiert werden. Auch Zement, Bauholz, technische Geräte und zahlreiche weitere Güter des täglichen Bedarfs (Toilettenpapier, Besteck, Geschirr......) müssen eingeführt werden. Das verarbeitende Gewerbe produziert Getränke und Zigaretten; auch Plastik, Fiberglas, Seife und Möbel werden für den Binnenmarkt hergestellt. Die Erzeugung von Copra, des getrockneten Fruchtfleisches der Kokospalme, des Zimts und anderer Gewürze stagnierte in den vergangenen Jahren, weil die niedrigen Weltmarktpreise und die teure Produktion im Land den Anbau unrentabel machen.
Die Fischindustrie ist der zweite wichtige Pfeiler der seychellischen Wirtschaft. Sie besteht einerseits aus der traditionellen Küstenfischerei, die den heimischen Bedarf deckt und Edelfisch (zum Beipsiel "Red Snapper") nach Europa und Mauritius exportiert. Daneben haben die Seychellen Einnahmen aus der Lizenzvergabe für industrielles Fischen in ihrer "Exklusiven Wirtschaftszone" (EWZ) im Indischen Ozean. Sie ist etwa eine Million qkm groß und außerordentlich fischreich. Lizenznehmer sind die Europäische Union, Japan, Korea und China. Die Konservenfabrik "Indian Ocean Tuna" (IOT) ist eine der größten fischverarbeitenden Fabriken der Welt und produziert knapp 40.000 Tonnen Tunfisch in Dosen pro Jahr.
Schließlich hat der Flugverkehr eine besondere Bedeutung. Auf der Hauptinsel Mahé befindet sich ein Flughafen auf dem große Langstreckenflugzeuge landen können. Andere Inseln verfügen über Landepisten für kleinere Flugzeuge. Den Verkehr zwischen den Inseln betreibt die nationale Fluggesellschaft "Air Seychelles" mit Kleinflugzeugen und die beiden privaten Helikopterunternehmen "Helicopter Seychelles" und "Zil Air".
Investitionen
Ausländische Direktinvestitionen setzen eine Investitionsgenehmigung der Regierung voraus. Sie dient der Steuerung der Investitionen, da man vermeiden will, dass Investoren in Geschäftsbereichen konkurrieren, die traditionell und erfolgreich von Seychellois betrieben werden. Beispiele für solche zu schützenden Geschäftsbereiche sind familiäre Gästehäuser, Taxi- und Mietwagenunternehmen, Küstenfischerei und kreolische Restaurants. Investitionen in Geschäftsbereiche die es bisher auf den Seychellen nicht gibt oder in Großprojekte (z.B. 5 Sterne Hotels, Solaranlagenbau) sind willkommen. Interessierte Investoren können sich an Seychelles International Business Authoritiy (POB 991, Victoria, Mahé, Seychelles; www.siba.net; Email: siba@seychelles.net) wenden. Dort werden sie beraten und es werden die erforderlichen Kontakte zur Wirtschaft hergestellt. Nennenswerte Neuinvestitionen gibt es gegenwärtig vor allem im Neubau von Luxushotels. Um das Land für in- und ausländische Investitionen attraktiver zu machen, wurde ein mit Weltbank und UNIDO (VN-Entwicklungsorganisation) abgestimmter Investment Code verabschiedet, der u.a. die Transferierbarkeit der Gewinne in Devisen vorsieht. Für die "Seychelles International Trade Zone SITZ" gelten Sonderkonditionen.