Das "Festival Kreol" als Schaufenster kreolischer Kultur

Wie in vielen Ländern mit kolonialer Vergangenheit, ist auch auf den Seychellen zu spüren, dass die Bevölkerung ihre eigenen Wurzeln gering schätzt oder sich ihrer sogar ein wenig schämt.

Das ist nicht verwunderlich, denn die Inseln waren unbewohnt, als französische Siedler begannen, "Kolonialwaren" anzubauen. Für die harte, körperliche Arbeit holten sie Sklaven aus Afrika und Madagaskar ins Land und machten ihnen deutlich, dass sie "weniger wert" sind und die Kultur der Siedler anzunehmen haben. Als Folge spürt man bis heute, dass viele Seychellois als nachahmenswert betrachten, was von "Ausländern" kommt. Ihrer eigenen Kultur hingegen schenken sie nur geringe Aufmerksamkeit. Die afrikanischen Wurzeln ihrer Musik, der mündlichen Überlieferungen, die Sagen und Märchen, die traditionelle Kleidung und die Heilkunst anhand von Pflanzenextrakten gerieten weitgehend in Vergessenheit. Diese Tendenz verstärkte sich, als in den 1950er- und 1960er-Jahren mit der Elektrizität zunächst das Radio und später das Fernsehen Einzug hielten. Es war nicht mehr erforderlich, die "primitive Musik" zu spielen, man hatte ja das Radio und die Abendstunden konnte man vor dem Fernseher verbringen anstatt seinen Kindern und Enkeln überlieferte Geschichten aus Afrika und Madagaskar zu erzählen.

Um diesen Mißstand zu bekämpfen wurde in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts das "Festival Kreol" ins Leben gerufen, das seither ein fester Bestandteil im Festkalender der Seychellen ist. Inzwischen wird es sogar von der kreolischen Welt auf den Nachbarinseln Mauritius und La Réunion aufmerksam und ein wenig neidisch verfolgt. Noch sperren sich die seychellischen Behörden aber gegen den Vorschlag, es abwechselnd auf den Seychellen, auf Mauritius und La Réunion zu feiern – nicht zuletzt, weil die Festwoche inzwischen einige Touristen anlockt und man diese angenehme Nebenwirkung nicht den Nachbarn zukommen lassen will.

Allabendlich finden Musikveranstaltungen in Hotels, Festsälen und am Strand statt. Musikgruppen kommen aus Mauritius, La Réunion, der frankophonen Karibik und manchmal sogar aus den kreolischen Regionen der amerikanischen Südstaaten zum "Festival Kreol". An einem "Sonntag am Strand" wird traditionelles kreolisches Picknick gefeiert, eine Schönheitskönigin wird gewählt, Ausstellungen zeigen Fotos und Gemälde, "Zenn Artis Kreolofonn" ("Junge Künstler kreolischer Sprache") präsentieren ihre Werke, Theatergruppen spielen Stücke in kreolischer Sprache. Es gibt Volksfeste mit Musik und Tanz bei denen Bier und lokal gebraute Alkoholika konsumiert werden. Und immer sind Urlauber, die einen Einblick in die kreolische Kultur erhalten möchten, gern gesehene Gäste.